INTERVIEW WITH MÜGE OLACAK BY TOURING ARTISTS GERMANY

(German version is below)

3 QUESTIONS ADDRESSED TO …
Müge Olacak, artist and founding director of Atelier Muse

Dear Müge Olacak, the first time we met each other was at the beginning of this year at our Round Table on an exchange with artists from Turkey, which served as the starting point for our new section Hoşgeldiniz: Türkiye // Welcome: Turkey. Back then you had just started your 7-month fellowship at HAU Hebbel am Ufer in Berlin: When you knew you would live and work in Germany for a while, which were the biggest questions and/or challenges you were facing – when you just arrived or before you even left Turkey

Müge Olacak: Being invited to the fellowship programme at HAU Hebbel am Ufer was a precious space opening to develop collaboration and exchange among dance and performing arts scenes of Turkey, Germany and beyond. About challenges, rearranging my works in Atelier Muse in Turkey for this period of time and preparing logistics in Germany were the main issues before I left Turkey. However I would say that the caring team at HAU and my connected network and friends in Istanbul used every means available to make my stay as best as possible. Despite having previous experience, the main issues to deal with (to be prepared for) for a long-term stay were at first the arrival, getting used to the reality of local daily life and being lonely (this is hard, especially for a social person), and for the case of Germany, cultural differences in communication style and behavior may take time and effort to adopt, not to mention the winter weather.

From your experience: is there a network in Germany which artists from Turkey can draw upon when arriving in Germany? Other artists? Institutions?

Müge Olacak: My case was specifically frame-worked within the programme and I think HAU Hebbel am Ufer was the perfect match for me according to shared values, ways of working and content. So, having connections before arriving in Germany would be helpful. For bureaucratic info (for Berlin), the website berlin.de is pretty detailed and useful. The touring artists platform is also helpful with the focus on the arts and culture scene. Rather than focus on nationalities, I prefer to see why and what we are doing and what brings us together. Knowing why I am here and what I want to do is the key to start. Then an internet research can lead to broad information and reaching out to people without hesitation can take you somewhere because people and organisations are so open for communication and exchange. I mainly followed the contemporary dance, performance scene; shows, festivals, organisations and a research period with visits and meetings. I suggest to follow Tanzplattform Deutschland (German Dance Platform), TanzRaumBerlin platform, Tanz im August Festival, Performing Arts Festival Berlin (PAF) to have a broader sense of the various sizes, information, and connections these festivals and platforms offer. I also would be glad to share my experience if anyone wants to get in contact with me.

You will go back to Istanbul now to continue work on your projects, also within the context of Atelier Muse. What did you gain from the time you spent in Germany looking at your future plans?

Müge Olacak: My eternal curiosity motivates me to make contact with people around, to observe as much as I can in my surroundings and beyond and now at last I find myself surrounded with valuable partners. This long time for my research programme in Germany has so many layers of learning from differences (not better or worse, just different) in cultural policies, behaviors in economic structures and senses of aesthetics.

I already wrote dance reviews on Gaia Dergi. More is on the way. During my time in Germany, I experimented with writing in a short, compact format on my writings and created a series called ‘Dance in Berlin in a nutshell’ as well as starting collaborations with Viereinhalb Sätze, a dance-writers platform based in Germany, which I find so valuable for means of exchange in the dance scene from various angles.

The artists I met and felt a strong connection with in Germany will be featured on our new publication Jukebox Todaythat I developed during my programme. The Atelier Muse structure, with a focus on mobility, a global network and strong business development experience also enables artists especially in the performing arts scene to visit, create and present their works in Turkey (especially Istanbul), Germany and beyond and in addition, provides consultancy and management support to institutions.

Original link is here.


3 FRAGEN AN …
Müge Olacak, Künstlerin und Gründungsdirektorin von Atelier Muse

Liebe Müge Olacak, wir haben uns Anfang des Jahres bei unserem Runden Tisch mit Künstler*innen aus der Türkei kennengelernt. Dieses Austauschtreffen war der Ausgangspunkt für unseren neuen Infobaustein Hoşgeldiniz: Türkiye // Willkommen: Türkei. Damals hatten Sie gerade Ihr 7-monatiges Fellowship am HAU Hebbel am Ufer in Berlin begonnen: Als Sie wussten, dass Sie für eine längere Zeit in Deutschland leben und arbeiten werden, was waren die größten Fragen und/oder Herausforderungen, die sich Ihnen stellten – als Sie ankamen oder sogar noch bevor Sie die Türkei verlassen haben?

Müge Olacak: Die Einladung zum Fellowship Programm am HAU Hebbel am Ufer eröffnete mir einen wertvollen Raum, um Partnerschaften zu entwickeln und in den Austausch zu treten mit der Tanz- und Performing Arts Szene in der Türkei, Deutschland und darüber hinaus. Was Herausforderungen betrifft, waren das Umorganisieren der Arbeit beim Atelier Muse für die Zeit meiner Abwesenheit und die logistischen Vorbereitungen für meinen Aufenthalt in Deutschland die größten Bausteine. Aber ich muss sagen, dass sowohl das Team beim HAU als auch mein Netzwerk und meine Freund*innen in Istanbul alles Ihnen Mögliche taten, um meinen Aufenthalt bestmöglich zu machen. Auch wenn ich bereits Erfahrungen hatte, waren zu Beginn die wesentlichen Herausforderungen für einen längerfristigen Aufenthalt, mit der Realität des lokalen Alltagslebens zurecht zu kommen und mit dem Alleinsein (was insbesondere für eine soziale Person nicht einfach ist). Und was Deutschland betrifft, kann es ein bisschen dauern, sich an kulturelle Unterschiede hinsichtlich Kommunikation und Verhalten zu gewöhnen – geschweige denn an das Winterwetter.

Gibt es in Deutschland – Ihrer Erfahrung nach – ein Netzwerk, auf das sich Künstler*innen aus der Türkei stützen können, wenn sie in Deutschland ankommen? Andere Künstler*innen? Institutionen?

Müge Olacak: Bei mir war es so, dass mein Ankommen und Aufenthalt durch das Fellowship Programm gut eingebettet waren. Und ich glaube, das HAU passte ideal zu mir, was gemeinsame Werte, Arbeitsweisen und Inhalte anbelangt. Es wäre also hilfreich, wenn bereits Verbindungen bestehen, bevor man nach Deutschland kommt. Bezüglich Informationen zu administrativen Fragen, ist die Website berlin.de eine gute Quelle für detaillierte und hilfreiche Informationen. Auch die Plattform touring artists ist sehr hilfreich, mit ihrem Fokus auf die Kunst- und Kulturszene.

Ich würde den Blick weniger auf Nationalitäten richten, sondern vielmehr darauf, was wir tun, warum wir es tun und was uns zusammenbringt. Zu wissen, warum ich hier bin und was ich machen will, ist der Ausgangspunkt. Dann kann eine Internetrecherche umfangreiche Informationen liefern. Auch ohne Scheu auf Menschen zuzugehen, kann eine*n weiterbringen, denn die Menschen und Organisationen sind sehr offen für Austausch und Kommunikation.

Ich habe hauptsächlich die zeitgenössische Tanz- und Performance Szene verfolgt: Shows, Festivals, Organisationen sowie Besuche und Meetings während einer Recherchephase. Ich würde empfehlen, die Tanzplattform Deutschland, die TanzRaumBerlin Plattform, das Festival Tanz im August und das Performing Arts Festival Berlin (PAF) im Blick zu haben – um ein Gefühl davon zu bekommen, welche unterschiedliche Größen, Informationen und Verbindungen solche Plattformen und Festivals bieten. Ich würde mich sehr freuen, meine Erfahrungen zu teilen, wenn jemand mit mir in Kontakt treten möchte!

Sie werden jetzt nach Istanbul zurückgehen, um weiter an Ihren Projekten zu arbeiten, auch im Kontext von Atelier Muse. Mit Blick auf Ihre künftigen Pläne: Was nehmen Sie mit aus der Zeit, die Sie in Deutschland verbracht haben?

Müge Olacak: Meine unendliche Neugier motiviert mich, mit Menschen in meinem Umfeld in Kontakt zu treten, meine Umgebung zu beobachten so viel ich kann – und heute finde ich mich umgeben von wertvollen Partnern. Diese lange Zeit meiner Recherche in Deutschland ist geprägt vom Lernen von Unterschieden (nicht besser oder schlechter, einfach unterschiedlich) in der Kulturpolitik, in ökonomischen Strukturen und in ästhetischen Wahrnehmungen.

Ich habe bereits Tanzkritiken für das Magazin Gaia Dergi geschrieben – weitere werden folgen. Während meiner Zeit in Deutschland habe ich mit dem Schreiben kurzer, kompakter Formate experimentiert und die Serie „Dance in Berlin in a nutshell“ ins Leben gerufen. Außerdem habe ich eine Zusammenarbeit mit Viereinhalb Sätze, einer in Deutschland basierten Plattform von tanzbegeisterten Schreiber*innen, begonnen, die ich sehr wertvoll finde, um sich in der Tanzszene aus unterschiedlichen Blickwinkeln auszutauschen.

Außerdem werden die Künstler*innen, die ich in Deutschland getroffen habe und zu denen ich eine starke Verbindung verspürte, in unserer neuen Publikation Jukebox Today vorgestellt, die ich während meines Fellowship Programms entwickelt habe. Die Struktur von Atelier Muse, mit ihrem Fokus auf Mobilität, ihrem globalen Netzwerk und mit ihren Erfahrungen in der Geschäftsentwicklung ermöglicht es Künstler*innen, insbesondere der Performing Arts Szene, ihre Arbeiten zu entwickeln und zu zeigen – in der Türkei (insbesondere in Istanbul), in Deutschland und darüber hinaus. Atelier Muse bietet darüber hinaus Beratungen und Management-Unterstützung für Institutionen.